Mitarbeiterbeteiligungen

Mitarbeiterbeteiligungsinstrumente sind in der Praxis sehr beliebt. Trotz des am 1. Januar 2013 in Kraft getretenen Mitarbeiterbeteiligungsgesetz über die Besteuerung der Mitarbeiterbeteiligungen sind die korrekte Handhabung in der Praxis und das Reporting nicht ganz einfach – insbesondere, wenn es sich um internationale Arbeitsverhältnisse handelt, bei denen es zu Import- oder Export von Beteiligungsinstrumenten kommt.

Eine entsprechende anteilige Besteuerung, welche in den Art. 17d DBG sowie 7 und 8 MBV geregelt wird, kommt in zwei Fällen zum Zuge:

1. wenn Arbeitnehmer während der Vestingperiode ihren Wohnsitz vom Ausland in die Schweiz verlegen oder

2. wenn Arbeitnehmer ihren Wohnsitz während der Vestingperiode von der Schweiz ins Ausland verlegen.

Auf die Situation, in der Arbeitnehmer mit Wohnsitz in der Schweiz im Ausland arbeiten oder Mitarbeiter, die in der Schweiz arbeiten aber Wohnsitz im Ausland haben, wird nachfolgend nicht eingegangen.

Die Besteuerung des geldwerten Vorteiles bei Import und Export Fällen wie in 1. und 2. beschrieben erfolgt pro rata. Dabei werden die Mitarbeiterbeteiligungen in einem Land zugeteilt (Grant) und in einem anderen Land realisiert (Vesting). Dies ist primär der Fall bei:

  • Mitarbeiteroptionen
  • Anwartschaften auf Mitarbeiteraktien (RSU/PSU)
  • Unechten Mitarbeiterbeteiligungen (Phantompläne)

Entscheidend für die korrekte Proratisierung ist die Verdienstperiode (Vestingperiode). Im Zeitpunkt der Zuteilung der Option oder der Anwartschaft beginnt das „Verdienen“. Mit der Zuteilung der Aktie (Vesting) entsteht ein unwiderruflicher Rechtsanspruch und das „Verdienen“ ist abgeschlossen.

Mitarbeiteroptionen

Das Recht eines Mitarbeiters innerhalb eines definierten Zeitraums (Ausübungsfrist) in der Zukunft Aktien zu einem fixen Preis (Ausübungspreis) zu erwerben, um sich am Gesellschaftskapital des Arbeitgebers zu beteiligen.

→ Besteuerungszeitpunkt: Ausübung / Verkauf (Realisation), ausgenommen davon sind Instrumente nach Artikel 17b Absatz 1 DBG

→ Für Splitting relevante Periode: Vestingperiode (roter Balken)

→ Geldwerter Vorteil (Steuerrelevant): Ausübungsgewinn (= Differenz zwischen Verkehrswert bei Ausübung / Ausübungspreis und Aktienpreis bei Ausübung / Abgabepreis )

→ Vermögensteuer: Option ab Zuteilung bis Ausübung pro memoria im Wertschriftenverzeichnis der Steuererklärung aufführen

Anwartschaften auf Mitarbeiteraktien (RSU / PSU):

Das Recht eines Mitarbeiters (Anwartschaft), nach einer vorgegebenen Zeitperiode (Vestingperiode) Aktien entweder unentgeltlich oder zu Vorzugsbedingungen zu erwerben. Die Übertragung der Aktien wird üblicherweise an Bedingungen geknüpft, wie beispielsweise das Fortbestehen des Arbeitsverhältnisses. Restricted Stock Units (RSU) oder Performance Stock Units (PSU) sind typische Anwendungsfälle solcher Anwartschaften.

→ Besteuerungszeitpunkt: Vesting /Aktienübertrag (Rechtserwerb)

→ Für Splitting relevante Periode: Vestingperiode

→ Geldwerter Vorteil (Steuerrelevant): Gesamter Verkehrswert der Aktie abzüglich allfälliger Diskont für Sperrfrist und Kaufpreis

→ Vermögensteuer: Anwartschaft ab Zuteilung bis Aktienübertrag (Vesting) pro memoria im Wertschriftenverzeichnis der Steuererklärung aufführen. Nach dem Vesting existieren die Anwartschaften nicht mehr. Aktien, die am 31. Dezember noch gehalten werden, sind im Wertschriftenverzeichnis zum Verkehrswert aufzuführen und unterliegen der Vermögensbesteuerung.

In einigen Unternehmen wird die Zuteilug von Aktien mit der Bonusauszahlung verknüft, sprich ein Teil des Bonus kann in Aktien bezogen werden. In diesem Fall werden die Aktien sofort dem Mitarbeiter übertragen, üblicherweise mit einer Sperrfrist. Auf Grund dieser Sperrfrist (die Aktien kann weder ausgeübt, veräussert, verpfändet noch anderweitig belastet werden) kann der steuerbare Wert entsprechend reduziert werden. Die entsprechenden Einschläge sind im Kreisschreiben Nr. 37 der Eidgenössischen Steuerverwaltung in Absatz 3.3 aufgeführt.

→ Besteuerungszeitpunkt: Aktienübertrag (Realisation)

→ Für Splitting relevante Periode: Verdienstperiode Bonus

→ Geldwerter Vorteil (Steuerrelevant): Gesamter Verkehrswert der Aktie abzüglich allfälliger Diskont für Sperrfrist und Kaufpreis

→ Vermögensteuer: Aktienzuteilung im Wertschriftenverzeichnis der Steuererklärung aufführen. Nach dem Vesting existieren die Anwartschaften nicht mehr. Aktien, die am 31. Dezember noch gehalten werden, sind im Wertschriftenverzeichnis zum Verkehrswert aufzuführen und unterliegen der Vermögensbesteuerung.

Unechte Mitarbeiterbeteiligungen (Phantompläne)

Unechte Mitarbeiterbeteiligungen sind eigenkapital- bzw. aktienkursbezogene Anreizinstrumente, welche dem Mitarbeitenden keine Beteiligung am Eigenkapital des Arbeitgebers, sondern eine Geldleistung in Aussicht stellen (es gibt dabei keine Möglichkeit auf Aktienbesitz). Als häufigste Formen unechter Mitarbeiterbeteiligungen gelten die sogenannten Phantom Stocks (synthetische Aktien) wie auch Stock Appreciation Rights (synthetische Optionen) sowie Formen von Co-Investments.

→ Besteuerungszeitpunkt: Vesting / Auszahlung (Realisation)

→ Für Splitting relevante Periode: Vestingperiode

→ Geldwerter Vorteil (Steuerrelevant): Eigenkapital- bzw. aktienkursbezogene Barauszahlung (z.B. betragsmässige Dividendenausschüttung, Wertzuwachs eines Basistitels).

Der geldwerte Vorteil bei einer Proratisierung berechnet sich wie folgt:

Gesamthaft erhaltener geldwerter Vorteil x Anzahl Arbeitstage in der Schweiz innerhalb der Vestingperiode


Anzahl Tage der Vestingperiode

Praxisbeispiel

Herr Goethe übt am 15.01.2017 Mitarbeiteroptionen aus und erzielt dabei ein Einkommen von CHF 130’000 (geldwerter Vorteil). Die Mitarbeiteroptionen wurden am 1. Januar 2013 zugeteilt. Das Vestingdatum ist der 1. Januar 2016 (Vestingperiode 3 Jahre).

Aufgrund eines Funktionswechsels hat Herr Goethe per 1. Januar 2015 seinen Wohnsitz von Deutschland in die Schweiz verlegt (Ansässigkeitswechsel), da er für 3 Jahre auf Entsendebasis am Hauptsitz in Zürich tätig sein wird.

Praxistip

Obwohl die Formel zur Berechnung des steuerbaren Anteiles von Arbeitstagen spricht, sind für die anteilige Berechnung, die gesamtem in der Schweiz ansässigen Tage zu berücksichtigen. Als Arbeitstage gilt nach Art. 7 und 8 MBV sinngemäss die Zeitperiode, in welchem ein Arbeitsvertrag besteht. Ferien, Wochenenden, gesetzliche Feiertage und sonstigen Abwesenheiten (Reisetage, Krankheit, Militärdienst, Mutterschaftsurlaub etc.) werden dabei nicht in Abzug gebracht. (Vergleiche dazu auch Beispiele 1 und 3 im Anhang II zum Kreisschreiben).

Lösung

Es handelt sich um importierte Mitarbeiteroptionen. Entsprechend hat die Schweiz nur ein anteiliges Besteuerungsrecht (130’000 * 365 / 1‘095 = 43’333 analog Formel oben).

Für die Proratisierung relevante Periode
= Vestingperiode

Lohnabrechnung

In der Lohnabrechnung muss der Anteil Schweiz und der Anteil Ausland separat aufgeführt werden, da diese unterschiedlich behandelt werden.

Nur auf dem Anteil Schweiz sind Schweizer Sozialversicherungsabzüge und Steuern geschuldet. Jedoch muss der Anteil Ausland für die Satzbestimmung der Quellensteuer berücksichtigt werden. Um dies zu verdeutlichen, wurde auf dem Totalbetrag Quellensteuer mit dem entsprechenden Quellensteuersatz abgeführt und danach der Anteil Ausland mit demselben Satz korrigiert (siehe Lohnabrechnung unten).

Auf den Anteil Ausland sind jedoch zudem auch Deutsche Sozialversicherungsbeiträge und Steuern geschuldet, weshalb die Information der Ausübung mit den detaillierten Angaben zwingend an Deutschland rapportiert werden muss.

In unserem Beispiel wird der geldwerte Vorteil der Optionsausübung über den Lohn ausbezahlt.

→ Siehe Lohnabrechnung

Lohnausweis

Für die korrekte Deklaration von Mitarbeiterbeteiligungen im Lohnausweis sind Ziffer 5 und/oder 15 relevant.

Im Jahr einer Zuteilung / Erwerb (2015):

→ Bemerkung in Ziffer 15 des Lohnausweises, da noch kein Wert in Ziff. 5 vorhanden ist.

→ Beiblatt mit Angaben zu:

  • Bezeichnung Plan
  • Datum des Erwerbs (Grant)
  • Datum der Entstehung des Ausübungsrechts (Vesting)
  • Anzahl Instrumente

→ Siehe Beiblatt zum Lohnausweis Zuteilung

Im Jahr der Ausübung / Einkommensrealisation (2017):

→ Total geldwerter Vorteil (Anteil CH/Ausland) in Ziffer 5 des Lohnausweises

→ Beiblatt zum Lohnausweis mit Angaben zu:

  • Bezeichnung Plan
  • Datum des Erwerbs (Grant)
  • Datum Vesting
  • Anzahl Instrumente
  • Datum Ausübung
  • Ausübungspreis
  • Verkehrswert der Aktie bei Ausübung
  • Allenfalls Umrechnungskurs per Ausübungsdatum

→ Im Falle von importierten Mitarbeiteroptionen sind weitere Angaben ratsam:

  • Datum Ansässigkeitswechsel
  • Geldwerter Vorteil CH
  • Geldwerter Vorteil Ausland (nur für Satzbestimmung)

→ Siehe Beiblatt zum Lohnausweis Ausübung