Expatriate (Inbound)

Jürgen Habermas, deutscher Staatsangehöriger, ledig, keine Kinder und konfessionslos wird von der International Deutschland AG für drei Jahre zur Schwestergesellschaft International Schweiz AG in Zürich entsendet. Er wird vier Tage in der Woche in der Schweiz und einen Tag in Deutschland arbeiten. Jürgen wird komplett in die Betriebsorganisation der Schweizer Gesellschaft eingegliedert. Diese trägt die Verantwortung und das Risiko für die Leistungen und übt die Weisungshoheit aus. Die Entlöhnung findet in Deutschland statt, wobei die Lohnkosten 1:1 dem Schweizer Unternehmen weiterbelastet werden.

Sozialversicherungen

Jürgen wird mittels einer Entsendebestätigung für drei Jahre in die Schweiz entsendet. Der Arbeitsvertrag in Deutschland ruht.

=> Er bleibt dem deutschen Sozialversicherungssystem unterstellt. Die Schweizer Gesellschaft benötigt für den Nachweis der Sozialversicherungsunterstellung in Deutschland ein A1 von der deutschen Abrechnungsstelle.

Quellensteuer

Bei Vorliegen einer faktischen Arbeitgeberschaft ist die Quellensteuerpflicht in der Schweiz gegeben (Tarif AN0) – dies trotz fortgeführter Lohnzahlung im Ausland. Massgebende Basis für die Quellenbesteuerung in der Schweiz bildet in diesem Fall der Bruttomonatslohn. In jedem Fall können nur die in der Schweiz erbrachten Arbeitstage besteuert werden. Dabei werden diese durch die Subtraktion der ausländischen Arbeitstage von total 20 Arbeitstagen pro Monat ermittelt.

Shadow Payroll

  • Für die korrekte Quellenbesteuerung in der Schweiz muss ein Schattenlohn geführt werden.
  • Achtung: gewisse Lohnelemente sind in Deutschland nicht steuerpflichtig, in der Schweiz jedoch schon (beispielsweise Kinderzulagen, freiwillige Beiträge des Arbeitgebers zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung etc.).

Bewilligung

Da Jürgen mehr als 90 Tage im Kalenderjahr entsendet wird, findet hier das Freizügigkeitsabkommen (FZA) trotz EU/EFTA Staatsangehörigkeit keine Anwendung. Die wichtigsten gesetzlichen Grundlagen bilden das Bundesgesetz über die Ausländer und Ausländerinnen (AuG), die Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) sowie das Bundesgesetz über die in die Schweiz entsandte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (Entsendegesetz). Es braucht eine Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung. Voraussetzung sind:

  • Gesuch eines Arbeitgebers
  • Gesamtwirtschaftliches Interesse
  • Lohn- und Arbeitsbedingungen (plus Entsendespesen)
  • Persönliche Voraussetzungen
  • Kontingent (bei Entsendung über 4 Monate)
  • Dauer und Zweck des Einsatzes sind mittels unterzeichnetem Dienstleistungsvertrag und Projektbeschrieb zu dokumentieren